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Die NORDER WILDERSCHE TOTEN- UND SCHÜTZENGILDE VON 1775 ist eine Vereinigung der Mitglieder zur gegenseitigen Unterstützung bei Sterbefällen durch einen Zuschuß zu den Bestattungskosten sowie sonstige darauf begründete Leistungen.
Der Verein fördert den geselligen Zusammenschluß seiner Mitglieder sowie die Erhaltung der Tradition der Gilde, insbersondere die Pflege der Plattdeutschen Sprache und des sportlichen Schießens, heißt es in der Satzung der Gilde.
Alle Mitglieder waren darüber hinaus verpflichtet, verstorbene Gildebrüder zu Grabe zu tragen oder zu folgen. Dieser Brauch wird heut' zu Tage zunehmend schwieriger zu erfüllen, bei der NORDER WILDERSCHEN GILDE ist er jedoch immer noch gang und gäbe. Nur die Brüche (Strafe), die beim Ausbleiben vom Tragen oder Gefolge erstmals zu zahlen war, wird heute nicht mehr erhoben.
Höhepunkt des Gildejahres aber ist das Schützenfest, das jeweils am Sonnabend nach Pfingsten begangen wird. Schon früh am Morgen ziehen die Gildebrüder mit klingendem Spiel durch die Straßen unserer Stadt, um den Vorjahrskönig abzuholen, der für die Gildeabordnung dann ein Frühstück gibt. Vom Gildelokal "Zur Doppeleiche" aus setzt sich dann der Festzug zum Königsschießen nach Burgstaaken in Bewegung. Viele Menschen, Einheimische und Gäste, säumen schon am frühen Morgen die Straße, wenn die Gildebrüder in ihren schwarzen Anzügen und Zylinder hinter ihren Traditionsfahnen ausmarschieren. Von der Rathaustreppe aus entbietet der Bürgermeister dem Festzug seine Referenz. Im Takt schlagen die Handstöcke der Marschierenden auf das Pflaster der Straße. Wegen dieser Handstöcke hat die NORDER WILDERSCHE GILDE im Volksmund auch den Namen "Knüppelgilde" erhalten. Vor dem Heimatmuseum wird die Fehmarnfahne zum Gruß der Gilde geschwenkt. Die Gildebrüder "speeken" (= plattd. kreuzen) ihrerseits ihre Handstöcke zu einem symbolischen Dach, das alle Gildebrüder behütet, und singen zu den Klängen der Kapelle das Gildelied "Wi trecken mit de Knüppelgill na'n Staaken".
Im Jahre 1975 feierte die NORDER WILDERSCHE GILDE das Jubiläum ihres zweihundertjährigen Bestehens. Ihre Gründung ließ sich bis auf das Jahr 1775 nachweisen (Heimatforscher Peter Wiepert +), obwohl ihr Usprung mit Sicherheit noch weiter zurückliegt, denn es ist ebenso bewiesen, dass sie aus der ehemaligen Zunft der Schuster hervorgegangen ist. Leider aber sind Nachweise nicht mehr auffindbar. Ein zweitägiges Schützenfest am 24. und 25. Mai 1975 unter Beteiligung vieler auswärtiger Gilden und Vereine war würdiger Ausdruck dieses stolzen Ereignisses. Und diese denkwürdigen Tage sind dokumentarisch festgehalten und somit der Nachwelt überliefert.
Bis in die heutigen Tage haben sich Frauen und Männer zusammengefunden, um die alten Gildetraditionen zu pflegen und weiterzugeben. Inzwischen steht auch längst den Frauen die Mitgliedschaft offen. Aktives Mitglied werden können alle Personen, die das 16. Lebensjahr erreicht und das 60. noch nicht überschritten haben. Doch besteht die Gefahr, dass die Gilde überaltert. Deshalb möchte der Vorstand gerade jungen Leuten einmal das Geschehen in einer Gilde vorstellen in der Hoffnung, dass vielleicht einige Interesse und Freude empfinden mitzumachen, damit der Bestand einer solchen Traditionsvereinigung auch für die Zukunft gesichert ist.
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